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Ruderfreunde Nieschütz am Elbekilometer 92

Weit und doch so nah

Auf Neiße, Oder, Havel, Dahme und Spree - eine große Runde um Berlin

Keine weite Anreise und viel Natur sollte es sein, so eben für eine gute Woche Urlaub. Zwischen Himmelfahrt und Pfingsten gingen Dorothea und Andreas mit ihren "Pirat" auf eine beachtliche Strecke. Um nicht ganz in der Zweisamkeit zu versinken trafen wir uns mit Freunden aus Fürstenwalde in Guben. Am ersten Tag wurde im Vierer die Neiße bis zu ihrer Mündung und dann noch ein Stück auf der Oder gerudert. Die Eisenhüttenstädter, die gern ihren alten Ortsnamen Fürstenberg gebrauchen, erklärten viel Interessantes zu Ihrer Stadt, zur Geschichte und natürlich zu den Wasserbauten. Doch schon am nächsten Tag ging es mit dem kleinen, aber feinen Zweier auf die Oder hinaus. Heftiger Rückenwind sorgte für guten Hunger, jede Lokalität wurde genutzt. Glücklicher Weise war der nächste Tag windstill, also Genußrudern pur. In Hohensaaten erreichten wir den Oder - Havel Kanal, den wir allerdings nach kurzer Zeit in den Finow Kanal verließen. Diesen wollten wir in einen Tag durchrudern, was infolge seiner 12 handbetriebenen Schleusen, die nur von 9 bis 17 Uhr arbeiten, recht sportlich ist. Wir schafften es gerade so! Schleuse Nr. 13, die Zerpenschleuse im Ort Zerpenschleuse wurde 1927 zugeschüttet und 2016 neu gebaut. Sehr schön, doch leider zu. Kein Wasserwanderer kann verstehen, warum keine Selbstbedienung installiert wurde. Eine Umtragemöglichkeit ist auch nicht vorgesehen. Da freut man sich! Eine Entschädigung ist das Rudern auf dem "Langen Trödel", der vor dem Bau des Großschifffahrtsweges Berlin - Stettin um 1927 die Verbindung zur Oder schaffte. Darüber erreicht man Liebenwalde, wo zur großen Freude im neu gebauten Hafen ein Steg schwimmt, an dem kleine Boote festmachen können. Es geht weiter auf der Havel oder besser gesagt auf dem Oder - Havel Kanal vorbei an Oranienburg. Vom Norden her erreicht man in Berlin - Spandau die Spree. Die Durchfahrt durch Berlin bereitet infolge der Sperrung der Spree ein klein wenig Sorge, weil man auf dem engen Landwehrkanal mit vielen Ausflugsschiffen rechnen muss. Nahe der berühmten Oberbaumbrücke erreicht man wieder die Spree, die wir in Köpenick  verließen.  In unseren Wanderboot durchfuhren wir die Olympiastrecke von 1936 in B.-Grünau auf der Dahme in südlicher Richtung. Am Wasserstraßenkreuz Prieros, wo es Richtung Storkow / Scharmützelsee und zu den Teupitzer Seen ab geht, ruderten wir weiter auf der Dahme gegen den Strom und erreichten in märchenhafter Landschaft Märkisch-Buchholz. Hier beginnt der Spree-Dahme Umflutkanal, der Hochwasser der Spree direkt ableiten soll. Schnell ist man in Schlepzig, den nördlichsten Punkt des Spreewaldes. Obwohl wir in Petkampsberg ein gutes Quartier fanden sollte man den Spreewald während der Saison unbedingt meiden, es ist ein Ort des Massentourismus. Ein Kahnfahrer sagte uns unverblümt, das man solche Individualisten hier nicht sehen will. Naja, am nächsten Tag regnete es, da wird er wohl niemand mehr gesehen haben. Zum Glück störte uns weder Regen noch Mücken, wir ruderten die Spree wieder hinab über den Neuendorfer See. Schleuse Altschadow ist wohl die schönste, naturnaheste Schleuse Deutschlands. Hier sieht man, wie wenig Beton die Welt eigentlich braucht. Zwei Tore, in der Mitte ein schöner Teich - fertig. Die anderen Schleusen auf der Spree sind neu gebaut und mit Selbstbedienung ausgestattet. Ein Segen! Die letzten 10 km bis Beeskow konnten ohne Regen gerudert werden, was doch etwas angenehmer ist. Wir passierten die Schleuse Neuhaus und fuhren auf dem Speisekanal zum Oder - Spree Kanal. Am Speisekanal gibt es nichts zu essen, er speist lediglich den Oder - Spree Kanal mit Wasser. Dieser Kanal ist eine wasserbauliche Meisterleistung. Man merkt nur selten, das man weit über den angrenzenden Land rudert, so etwa in Höhe der Dachrinnen. Das Geländeprofil machte diesen Bau so schwierig und unsere Vorfahren haben lange gekämpft, um mit Ton diesen Kanal dicht zu bekommen. Bis auf wenige Leihkanus im Bereich Mühlrose ist man sehr allein unterwegs, kein einziges Frachtschiff ist uns begegnet. Abends kam uns Kerstin aus dem Eisenhüttenstädter Ruderverein entgegengerudert und erklärte uns bei der Durchfahrt durch das ehemalige Eisenhüttenkombinat die Geheimnisse der Erzverhüttung. Kerstin sei an dieser Stelle gedankt für die gute Unterstützung bei der Planung dieser Rundfahrt. Über 450 km standen zum Schluß auf der Uhr. Wir waren froh, diese Strecke gerudert zu sein und wieder mal die Erfahrung gemacht zu haben, wie wenig man zum Leben eigentlich wirklich braucht.