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Ruderfreunde Nieschütz am Elbekilometer 92

Schweden

Wanderrudern in Schweden

Es gibt auch Wanderruderer, die auf fernem Wasser eine Herausforderung suchen. Andreas und Dorothea Wundratsch von den Ruderfreunden Nieschütz gehören dazu. Im August waren sie in Schweden unterwegs und berichten hier von ihren Erlebnissen.

Während Kanuten schon einige Fahrten in Schweden beschrieben haben, tun wir Ruderer uns mit diesem sehr schönen Revier recht schwer. Die Weite des Landes ist wohl ein Grund dafür, doch die freundlichen Menschen dort lassen eine Reise zu einem schönen Erlebnis werden. Vom Siliansee bis Richtung Ostsee, mal sehen, wie weit wir kommen, so war der Plan.

Im kleinen Ort Rätvik findet jährlich Schwedens größtes Oldtimer Treffen statt. Während die etwas hippi mäßig angehauchten Leute in ihren Ami Cars durch die Stadt tourten, wurde im kleinen Hafen der leichte Doppelzweier vom Autodach gehoben. Auf glasklarem Wasser ging es etwa 25 km über den See, wo in einer entlegenen Bucht ein Bekannter eine hübsche Datsche zur Übernachtung anbot.

Der Siljan ist der siebtgrößte See Schwedens. Er liegt ein ganzes Stück nordwestlich von Uppsala. Der See hat eine Fläche von 290 km² und eine größte Tiefe von 134 Metern.  Die Müritz passt schon von der Fläche her zwei mal rein!  Er wird vom Fluss Österdalälven durchflossen und man braucht wirklich schönes Wetter, um eine Querung zu wagen. Für die Schweden ist er gar nicht so attraktiv, wir waren ziemlich allein unterwegs. Wie in vielen Gewässern des Landes sind seine Ufer von zahlreichen Findlingen bestückt. Auch tückische Untiefen, die zwar meist gekennzeichnet sind, waren eine große Gefahr für unser kleines Boot "Pirat".  Am nächsten Morgen brachen wir früh auf. Weil es uns nicht gelungen war, spezifisches Kartenmaterial zu besorgen, war eine gröbere Gebietskarte unser einziges Informationsmaterial. Damit kommt man schon zurecht. Zum Glück hatten wir einen Hinweis, wo sich ein Ruderverein befand. Er hat sein Domizil nahe der Ausfahrt des Sees, gegenüber der Ortschaft Leksand und verfügt über ein sehr neues Bootshaus in dem zwei Hallen voller weißer Boote vorhanden sind. Einige gelbe waren auch dort. Alle so jung wie das Haus selbst. Populär ist das Rudern in Kirchbooten, ausgerüstet mit Stemmbrettern und festen Bänken.  Ab hier ähnelt der Fluss unserer mittleren Havel. Alles ist sehr entspannt, Landgang- und Badestellen, die wir wetterbedingt nicht nutzen konnten, sind reichlich vorhanden.  Einkaufen kein Problem und in diesen ländlichen Regionen kann man sich vor Dieben wohl auch noch ziemlich sicher sein.  Keinerlei Schiffsverkehr machte das Rudern auf dem Fluss einfach. Dass die Strömung nur selten spürbar ist, lässt wohl auf eine beachtliche Wassertiefe schließen. Genau wussten wir nicht, wo das Kraftwerk sein sollte. Unweit der Ortschaft Djuras war allerdings Umtragen unausweichlich. Da wurde uns schmerzlich bewusst, das Wasserwandern über größere Distanzen auf diesem Fluss gänzlich unbekannt sein muss. Es gab keinerlei Pfade, die auf solche Manöver schließen ließen.  Doch auch eine sehr steile Böschung, wilde Bewaldung und meterhohe Geländesprünge sind mit einem leichten Zweier überwindbar. Das reichte für den Tag, wir zelteten an der Einsatzstelle. Mit der Dämmerung konnten wir das Eintreffen einiger Gänseschwärme beobachten, die den See als Übernachtungsplatz nutzten. Wegen eines Schildes, das das Unterwasser ohne Vorwarnung aus dem E-Werk schnell steigen könne, schliefen wir nicht ganz sorglos. Doch es sollte alles noch viel schlimmer kommen…

13 km trennten uns von der Mündung des Flusses in den wesentlich längeren Dalälven.  Bei Wiki kannst du lesen: Der Dalälven entsteht durch den Zusammenfluss des Västerdalälven und des Österdalälven. Am Unterlauf, bevor der Dalälven in die Ostsee mündet, liegen mehrere Seen, von denen der Färnebofjärden das Zentrum eines Nationalparkes bildet. Das Flusssystem des Dalälven ist mit 542 Kilometern das Längste ins Meer mündende Schwedens.

Weil wir ein Familientreffen besuchen wollten, lag unser Tagesziel 5 km den  Västerdalälven stromauf, wo es eine Art Feriendorf gibt. Leider ist einer dieser Kilometer als Stromschnelle ausgebildet und wir beschlossen, diese durch Treideln zu überwinden. Anfangs ging das recht gut, bis wir an die Reste eines verfallenen Mühlgrabens kamen. Der war schön gradlinig und führte ordentlich Wasser. Es gab keine Alternative, zum Schluß kamen wir auch heil oben an. Als zwischen durch mal ein Ast brach, war das noch gar nicht sicher.

Die  ruderfreien Tage des Familientreffes taten uns gut und weil die Talfahrt durch die Stromschnellen mit einem C-Boot wohl doch nicht empfehlenswert schienen, verluden wir und versuchten unser Glück unterhalb der Stadt Borlänge erneut. Der Dalälven ist dort recht friedlich, vergleichbar mit der unteren Saale, aber eben viel schöner und sehr schwedisch. Der Wind war uns hold. In einen halben Tag ruderten wir reichlich 50 km und setzten an zwei weiteren Staumauern nahe der Ortschaften Västerby und Uppo um.  Die Schwierigkeit dabei bestand im Einsetzen des Bootes in das Unterwasser. Mit einem Boot in der Hand ist man nicht ganz so leichtfüßig auf den Böschungen, welche aus lose zusammengeschobenen Findlingen unterschiedlichster Größe bestehen. Und wenn das Boot endlich schwimmt, gilt es auf die sehr flach unter Wasser liegenden Steine zu achten. Eine fantastische Landschaft entschädigt, das Rudern dort macht wirklich Spaß. Ein Fläschchen Rotwein und einige Biere sollte man sich mitnehmen, Gaststätten gibt es in den sehr locker besiedelten Gebieten nicht viel.

In der Hoffnung, die Staumauern hinter uns zu haben, ruderten wir weiter, was auch über 30 km gut ging. Über die Stadt Avesta lassen sich viele Informationen finden. Das es dort gleich zwei Wasserkraftwerke gibt, bremste uns hart aus. Wir zelteten im Hafen. Weil ein Umtragen selbst mit einen kleinen Wagen nicht zu schaffen ist, holten wir unseren Bus nach und verluden wieder. Am Hafen begegneten wir einem Freund des Wassersport. Er erzählte, dass er im kommenden Jahr einen Kanu - Verleih gründen wolle, der Touren und damit das Umsetzen in Avesta ermöglichen möchte. Allerdings, so sein Bericht, gebe es unterhalb der Stadt weitere Stromschnellen. Wir erkundeten das vom Lande aus und können es nicht bestätigen. Man gelangt nun in ein Gebiet, in dem der Dalälven seinen Charakter völlig ändert.  Er verläuft sich in einer Seenkette, den schon erwähnten Nationalpark.  Ein Campingplatz war nun unser Basisquartier.  Sehr viele Inseln und jede Menge Findlinge ließen keine Langeweile aufkommen. Unser Ziel war der Zufluss, wo uns wieder eine Stromschnelle ausbremste. Leider endete auch dieser Urlaub, so dass wir die Ostsee nur von der Fähre aus sahen.